Einzige Professur für Phlebologie in Bochum

Die Phlebologie ist ein vergleichsweise junges Fach, das erst seit rund 60 Jahren als eigene Fachrichtung anerkannt ist. Die Zusatzbezeichnung Phlebologie erwerben Ärzte aus den Bereichen Allgemeinmedizin, Chirurgie oder Dermatologie, nachdem sie eine eineinhalbjährige Weiterbildung absolviert haben. In der Regel werden Venenleiden von Medizinern verschiedener Fachrichtungen behandelt, die sich aber nicht genau auf diesen Bereich spezialisiert haben.

Da wundert es wenig, wenn die Phlebologie bislang auch akademisch in Deutschland unterrepräsentiert war: 13 Jahre lang gab es keinen Lehrstuhl für Phlebologie mehr. Im Januar 2017 änderte sich das endlich: Die Ruhr-Universität Bochum richtete im Fachbereich Dermatologie, Venerologie und Allergologie der dermatologischen Universitätsklinik eine Stiftungsprofessur für Phlebologie ein und berief Prof. Dr. Stefanie Reich-Schupke auf diese Position.

Und das ist auch wichtig: Venenleiden sind schließlich eine Volkskrankheit. So leiden in Deutschland geschätzt 20% der Bevölkerung an Krampfadern, die behandelt werden sollten. Die Zahl steigert sich um nochmals rund 10%, wenn man noch Thrombosen und chronische Wunden hinzuzählt. Das sind Millionen von Menschen, und die Zahl wird weiter steigen – lassen sich doch Venenerkrankungen zu einem großen Teil auf eine ungesunde Lebensweise und insbesondere mangelnde Bewegung in Kombination mit zu viel Sitzen zurückführen.

Prof. Reich-Schupke hat das Ziel, im Rahmen ihrer Lehrtätigkeit den medizinischen Nachwuchs zu erreichen, ihr Interessen am umfangreichen Themenkomplex der Phlebologie zu wecken und Aufklärungsarbeit – auch unter Laien – zu leisten. Dies soll unter anderem durch das Angebot eines phlebologischen Einsteigerkurses für Medizinstudenten erreicht werden, der ab März 2018 starten soll.

So ist zu hoffen, dass die Forscher am Lehrstuhl für Phlebologie nicht nur neue Verfahren entwickeln und bestehende Methoden verbessern, sondern auch die Bevölkerung mehr über diesen Spezialbereich lernen kann und im Optimalfall dadurch einen gesünderen Lebenswandel anstrebt. Denn mal ehrlich: Phlebologie – wer kennt das schon? Prof. Reich-Schupke möchte das ändern.


von Debora Pape. 15.04.2017


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