Fettabsaugung bei Lipödem bald auf Krankenschein?

Wenn Fettgewebe an den Oberschenkeln trotz Diät und Sport nicht weichen will, lautet die Diagnose meist Lipödem. Die chronische Fettverteilungsstörung ist auch als Reiterhosensyndrom bekannt und betrifft fast ausschließlich Frauen. Wer sich bisher durch eine Fettabsaugung (Liposuktion) vom enormen Leidensdruck befreien wollte, musste tief in die Tasche greifen. Denn die Behandlungsmethode wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Das könnte sich bald ändern – denn nun kommt Bewegung in die Sache. Eine jetzt in Auftrag gegebene Studie soll Effektivität und Nutzen der Fettabsaugung als Behandlungsmethode untermauern.

Bei einem Lipödem bilden sich im Unterhautgewebe von Beinen, Hüfte und Gesäß massive Fettdepots. Gleichzeitig lagert sich vermehrt Flüssigkeit ein – es kommt zu starken Schwellungen des Gewebes. Die Folge: ein deutliches Missverhältnis in den Körperproportionen. Und das ein Leben lang – denn die Erkrankung ist nicht heilbar. Das bleibt nicht ohne Folgen für Psyche und Lebensqualität betroffener Frauen.

Studie soll für Anerkennung durch Krankenkassen sorgen

Der Fokus bei der Therapie des Lipödems liegt bisher auf konservativer Behandlung wie regelmäßiger Lymphdrainage, Stützstrümpfe und Bewegungstherapie und beschränkt sich auf Symptomlinderung. Dabei hat sich in Studien längst erwiesen, dass die Liposuktion eine vielversprechende Alternative zu konservativen Behandlungen sein kann. Das sieht der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) – das oberste Beschlussgremium von Ärzteschaft, Kliniken und Krankenkassen – genauso.

Allerdings blieben bisherige Studien Antworten auf einige wesentliche Fragen schuldig. So fehlte der Beleg, dass eine Fettabsaugung das Problem dauerhaft lösen kann und die Funktion der Lymphbahnen nach dem Eingriff in vollem Umfang erhalten bleibt. Und ohne diesen Nachweis ist die Aufnahme in den Leistungskatalog der Krankenkassen nicht zu erwarten. Deshalb gab der G-BA kurzerhand selbst eine Studie in Auftrag. Sie soll eindeutig klären, ob eine Liposuktion tatsächlich als effiziente und sichere Behandlungsmethode bei Lipödem gelten kann.

 

Leben ohne Gewebeschwellung

Planungsphase für Studie hat begonnen

Das Beschlussgremium hat die Eckpunkte bereits festgezurrt – nun können die Vorbereitungen für die Studie beginnen. Die randomisierte Untersuchungsreihe soll gleich mehrere Aspekte beleuchten. Sie untersucht nicht nur Sicherheit, Nutzen und Risiken der Methode – sie fragt auch danach, wie sich die Fettabsaugung langfristig auf die Lebensqualität erkrankter Frauen auswirkt. Noch ist die Planungsphase nicht abgeschlossen – und auch Studienteilnehmerinnen werden noch gesucht. Die Teilnahme steht allen betroffenen Frauen ab 18 Jahren offen, bei denen übliche Behandlungsmethoden nicht den gewünschten Erfolg haben. Weitere Bedingungen für eine Teilnahme sowie Informationen zu der in Auftrag gegebenen Studie können Sie auf der Seite des G-BA nachlesen.

Warum nicht gleich bewerben? Schließlich hängt vom Ergebnis der Studie nicht weniger als die künftige Lebensqualität für Frauen mit Lipödem ab. Und eine adäquate Behandlung sollte allen Betroffenen zugänglich sein!


von Die Redaktion. 21.02.2018


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