Neue Studie zur Blutgerinnung – eine Zukunft ohne Thrombose?

Es ist immer wieder von den körpereigenen Selbstheilungskräften die Rede. Dass es diese wirklich gibt, mag keiner ernsthaft bezweifeln. Doch nun hat eine Gruppe von Wissenschaftlern einen körpereigenen Mechanismus entdeckt, der selbst Fachleute in Erstaunen versetzt. Bestimmte natürliche Botenstoffe können offenbar gezielt Thrombosen verhindern. Regulieren sich also Blutgerinnsel künftig selbst?

Selbstregulierender Mechanismus entdeckt

Die Studie von Wissenschaftlern des Interfakultären Instituts für Biochemie in Tübingen zeigt einmal mehr, wie perfekt die Natur unseren Körper ausgestattet hat. Die Forscher kamen einem selbstregulierenden Mechanismus auf die Spur, der ganz neue therapeutische Möglichkeiten eröffnen könnte – hier geht es direkt zur Studie. Dieser Mechanismus greift aktiv in das Entstehen von Blutgerinnseln ein. Ist Gefahr im Verzug – sprich bildet sich ein größeres Blutgerinnsel – wird offenbar ein Botenstoff freigesetzt, der ein weiteres Wachstum verhindert und den Blutpfropf schrumpfen lässt. Doch wie erklärt sich das erstaunliche Phänomen?

Botenstoffe – kleine Helfer mit Ansage

Der Mechanismus ist überraschend einfach. Ein Blutgerinnsel ist nichts anderes als eine Ansammlung von verklebten Blutplättchen (Thrombozyten), die den Durchfluss des Blutes behindern. Je größer das Blutgerinnsel wird, desto mehr Druck ist erforderlich, um das Blut an Engpässen im Gefäß vorbeizuleiten. Diese ausgeübte Kraft bezeichnen Mediziner als Schubspannung. Hat die Schubspannung einen bestimmten Wert erreicht, bildet sich in den verklebten Blutplättchen der Botenstoff cGMP (cyclisches Guanosinmonophosphat). Er verhindert, dass sich weitere Thrombozyten am Gerinnsel festsetzen. Der gefährliche Blutpfropf löst sich nach und nach auf – die Gefahr ist gebannt.

Rote Blutkörperchen in einem Blutgefäß
© Kateryna_Kon – stock.adobe.com

Doch wenn das tatsächlich so ist: Warum bekommen wir dann überhaupt lebensgefährliche Blutgerinnsel, die für Schlaganfall, Herzinfarkt & Co. verantwortlich sind?

Auch hier gibt es eine einleuchtende Erklärung. Wie so oft scheint genetische Veranlagung eine Rolle zu spielen. Offenbar bestimmen die Gene darüber, in welchem Umfang der Organismus fähig ist, den Botenstoff cGMP zu bilden. Wer also von Mutter Natur üppig mit den Botenstoffen ausgestattet wurde, trägt ein wesentlich geringeres Risiko, gefährliche Blutgerinnsel zu entwickeln. Dies hat sich bereits in Studien gezeigt. Wissenschaftler gehen derzeit von einem ursächlichen Zusammenhang zwischen dem entdeckten Mechanismus und Thromboseerkrankungen aus.

Hoffnung auf neue Therapie

Blutgerinnsel sind eine tickende Zeitbombe. Meist entstehen die verdickten Ansammlungen von Blutplättchen in den Venen – können sich aber auch in Arterien bilden. Löst sich solch ein Blutpfropf von der Gefäßwand, wird es gefährlich. Es droht ein Schlaganfall oder eine Lungenembolie.

Um zu Blutgerinnseln neigende Menschen vor lebensgefährlichen Ereignissen zu schützen, sind bisher meist Blut verdünnende Mittel die einzige Option. Diese Behandlung ist jedoch alles andere als gezielt – denn sie therapiert sozusagen systemisch nach dem Gießkannenprinzip. Das täglich einzunehmende Medikament hemmt die Blutgerinnung im gesamten Organismus – mit den entsprechenden Nebenwirkungen. Eventuell auftretende Blutungen, ob in den inneren Organen oder durch äußere Verletzungen, können kaum gestillt werden. Der neu entdeckte Botenstoff könnte eine gezielte Therapie ohne gefährliche Nebenwirkungen möglich machen. Klinische Studien zur therapeutischen Anwendung sind in Planung.

Eigeninitiative weiterhin gefragt

Auch wenn Thrombose möglicherweise bald zu verhindern ist, sollte man nicht der Versuchung erliegen, fortan zur Couch-Potato zu werden. Denn fehlende Bewegung rächt sich immer. Bewegungsmangel und Übergewicht gehören zu den wichtigsten Risikofaktoren, nicht nur für Thrombose. Für unsere Gesundheit müssen wir wohl auch in Zukunft selbst etwas tun – und das ist auch gut so.


von Die Redaktion. 07.02.2019


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