Neue Wege in der Thrombose-Prävention: effektiv und spielerisch

Forscher an der Technischen Universität Kaiserslautern arbeiten an einer neuartigen App. Dieses Programm wird auf Smartphones oder Tablets installiert. Es soll zum Beispiel Patienten nach einer Operation helfen, auf spielerische Weise ihr Thromboserisiko zu senken. Erste Studien sind vielversprechend.

Thrombose: Wer ist davon betroffen?

Zentrale Auslöser für eine Thrombose sind Bewegungsmangel und Inaktivität. Normalerweise hilft die Beinmuskulatur dem Herzen bei jedem Schritt, das Blut durch die Beinvenen zurück zum Herzen zu pumpen. Sowohl die Muskelarbeit als auch die Venenklappen sorgen dafür, dass das Blut gleichmäßig fließt.

Thrombosen sind kein Phänomen, das ausschließlich Senioren trifft – auch wenn das Risiko mit dem Alter zunimmt. Blutgerinnsel treten in jedem Alter auf. Folgende Ursachen gelten in der Medizin als Risikofaktoren:

  • langes Sitzen, etwa auf Reisen
  • akute oder chronische Erkrankungen wie Krampfadern, Lähmungen, schadhafte Venenklappen oder Herzprobleme
  • Bettlägerigkeit nach einer Operation oder bei pflegebedürftigen Personen
  • Rauchen
  • Flüssigkeitsmangel
  • Übergewicht
  • Arteriosklerose
  • Hormone zur Empfängnisverhütung oder als Therapie von Wechseljahr-Beschwerden

Eine Thrombose entsteht, wenn mehrere Faktoren zusammentreffen. So ist das Risiko einer Gefäßverstopfung bei einer jungen Frau nach einer Operation höher, wenn sie mit der Pille verhütet. Ein pflegebedürftiger Mann mit Übergewicht gilt ebenfalls als sehr thrombosegefährdet.

Spiele-App statt Venen-Gymnastik?

Die Forschungsgruppe WEARhealth hat die App „jumpBALL“ entwickelt; ein Spiel, das der Patient mit seinen Füßen steuert. Die App wird auf einem Smartphone oder einem Tablet installiert. Für die Steuerung benötigt das Spiel zusätzlich zwei Sensoren für die Füße und Klettbänder, um die Sensoren zu befestigen.

Und so funktioniert jumpBall: Der Spieler muss einen Wasserball über Baumstämme hüpfen lassen und „Monstern“ ausweichen. Währenddessen sammelt er mit dem Ball Diamanten, Münzen und Sterne ein. Diese bringen ihm Punkte. Berührt der Wasserball ein Monster, führt das zu Punktabzug.

Das Besondere an dieser App ist, dass der Wasserball über die Sensoren auf die Fußbewegungen der Patienten reagiert. Das Prinzip heißt Muskel-Venen-Pumpe, kurz MVP. Auf der Website der Universität stellt die Forschergruppe ihre Arbeit in einem kurzen Trailer dar.

Thrombose-Prävention per Spiele-App

Wirksamkeit der Spiele-App: erste Ergebnisse

Die Forscher testeten die App an vierzig Probanden, die allesamt aus dem Umfeld der Entwickler stammten. Dabei durften zwanzig Testpersonen jumpBall spielen, während die andere Hälfte sich vorstellte, Tretboot zu fahren.

Das Ergebnis: Die App-Gruppe führte die Übungen deutlich länger und mit höherer Frequenz durch, als die „Tretboot-Gruppe“. Das Spiel scheint die Motivation positiv zu beeinflussen.

Im nächsten Schritt testen die Forscher ihre App an ihren Hauptzielgruppen: älteren Menschen und Patienten nach einer Operation. Eine Langzeitstudie soll zeigen, wie diese Gruppen mit der Methode zurechtkommen.

Was kann der Einzelne tun?

Unter dem Schlagwort E-Health arbeiten zahlreiche Entwickler und Arbeitsgemeinschaften (zum Beispiel die Arbeitsgemeinschaft Diabetes & Technologie) an Programmen, die Patienten und Ärzte effektiv bei der Behandlung verschiedenster Krankheiten unterstützen. Gleichzeitig entwickeln sie Qualitätskriterien für diese neue Art von Medizinprodukten.

Die Digitalisierung erobert auch die Medizin und ermöglicht neue, erfolgversprechende Behandlungsmöglichkeiten. Aus diesem Grund sollten Menschen jeden Alters offen auf diesen Trend reagieren und sich im Alltag mit der digitalen Technik vertraut machen. Denn: Je kompetenter eine Person mit Smartphone und Co. umgeht, desto mehr profitiert sie von digitalen Anwendungen im Krankheitsfall.


von Die Redaktion. 15.12.2017


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