Chronisch-venöse Insuffizienz


Was ist eine chronisch-venöse Insuffizienz?

Die chronisch-venöse Insuffizienz – abgekürzt CVI – ist eine Erkrankung der tiefen Beinvenen, bei der die Unterschenkel des Patienten aufgrund einer Mikrozirkulationsstörung unzureichend durchblutet sind. Dadurch kommt es zu krankhaften Veränderungen an den Blutgefäßen, dem Bindegewebe und der Hautoberfläche. Die auch als chronische Veneninsuffizienz oder Venenschwäche bezeichnete Erkrankung betrifft überwiegend Frauen. Sie ist zwar nicht lebensbedrohlich, sollte aber dennoch nicht verharmlost werden, da das betroffene Bein meist längerfristig versorgt werden muss.

Ursachen und Entstehung einer chronischen Veneninsuffizienz

Ursache einer chronischen Veneninsuffizienz ist ein zu hoher Blutdruck in den oberflächlichen Venen: Statt der normalerweise üblichen 20 bis 30 Millimeter beträgt er 60 bis 90 Millimeter. Zu diesem krankhaft erhöhten Venendruck kommt es meist infolge einer Venen-Thrombose (Verengung der Beinvene durch einen Blutpfropf) oder aufgrund einer erblich bedingten Neigung zu Krampfadern.

Hauptursache einer CVI sind jedoch defekte Venenklappen. Sie können ihre Funktion nicht mehr oder nur noch unzureichend erfüllen. Denn schließen sie sich nicht mehr richtig, fließt das venöse Blut anstatt zum Herzen zurück in die Unterschenkel, wo es dann zu Stauungen kommt.

Arztsuche

Eine Venenthrombose führt beispielsweise zu einem erhöhten Druck in den tiefen Beinvenen und schädigt so die Venenklappen und die Wände der Blutgefäße. Das aufgestaute Blut weitet die Blutgefäße übermäßig und bewirkt so die Bildung von Besenreisern, falls nur kleinere Blutgefäße betroffen sind. Zur Entstehung von Krampfadern kommt es, wenn dabei größere Gefäße geschädigt werden.

Wie kommt eine chronisch-venöse Insuffizienz zustande?

Die Blutgefäße werden durchlässig, sodass Blutzellen und Flüssigkeit in die benachbarten Gewebe austreten können. Es kommt zu chronischen Entzündungen mit verhärtetem Bindegewebe und verdickten Unterhaut-Zellen. Der Stoffwechsel zwischen Hautoberfläche und Arterien ist so gestört, dass die Haut nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird.

Die Folge: Hautschädigungen durch Infektionen und allergische Reaktionen. Die obere Hautschicht verhärtet sich und bildet schon bei geringen Verletzungen Ekzeme (Ausschläge). Behandelt man sie nicht rechtzeitig, kann sich daraus ein offenes Bein (Ulcus cruris) entwickeln. Es entsteht bevorzugt im Bereich des Innenknöchels über Krampfadern oder über geschädigten Venenklappen.

Da der Patient bei einem offenen Bein starke Schmerzen verspürt, nimmt er automatisch eine Schonhaltung ein und bewegt sich immer seltener. Dadurch kommt es oft zu einer Versteifung des oberen Sprunggelenks.

Risikofaktoren für die Entstehung einer chronischen Veneninsuffizienz

Ein erhöhtes Risiko für eine chronisch-venöse Insuffizienz haben ältere Patienten mit

  • Venen-Thrombose
  • Venenentzündungen
  • Krampfadern oder einer genetisch bedingten Neigung zu Krampfadern
  • arterio-venösen Fisteln (kurzfristig bestehenden Gewebe-Verbindungen zwischen Beinarterien und Venen)
  • Adipositas (Fettleibigkeit)
  • angeborenen Venenklappen-Schäden

Mit welchen Symptomen zeigt sich die CVI?

Grad I der CVI ist mit dem Entstehen blauer Besenreiser an den Fußrändern und sich zurückbildenden Ödemen (Gewebeschwellungen) verbunden. Sie sind am Abend besonders stark ausgeprägt. Grad II zeigt sich mit dauerhaften Ödemen. An den Knöcheln treten gelbliche bis rotbraune Flecken auf. Bei einer Grad III-Veneninsuffizienz kommt es zur Bildung eines offenen Beins. Der untere Bereich des Unterschenkels ist so verhärtet, dass man die Haut nicht mehr hochziehen kann.

Weitere CVI-Symptome sind:

  • starke Schmerzen und intensive Spannungsgefühle
  • nässende schuppige rötliche Ekzeme (Stauungsekzeme), die stark jucken und brennen
  • verlangsamte Wundheilung

Patienten, die eines oder mehrere der genannten Symptome bei sich feststellen, sollten sich schnellstmöglich in fachärztliche Behandlung begeben. Dafür zuständig ist ein Facharzt für Gefäß- und Venenerkrankungen (Phlebologie).

Wie wird eine chronisch-venöse Insuffizienz diagnostiziert?

Die chronisch-venöse Insuffizienz lässt sich schon mit bloßem Auge gut erkennen. Weitere Informationen erhält der untersuchende Mediziner, wenn er die Duplex-Sonographie (Dopplersonographie) einsetzt. Dabei handelt es sich um ein spezielles Ultraschall-Gerät, das Informationen über die in den Blutgefäßen herrschenden Druckverhältnisse und Veränderungen an den Gefäßwänden und im umliegenden Gewebe liefert.

Behandlung der Veneninsuffizienz

Leichtere Fälle von CVI lassen sich gut mit einer symptomatischen Therapie bessern. Dem Betroffenen hilft es oft schon, mehrmals täglich die Beine für jeweils eine halbe Stunde hoch zu lagern. Das verbessert die Mikrozirkulation. Bestehende Gewebe-Schwellungen (Ödeme) bilden sich zurück.

Kompressionstherapie bei CVI

Sind die Venenklappen noch teilweise funktionsfähig, eignet sich auch eine Kompressionstherapie. Man wendet dazu physikalische Verfahren wie die regelmäßig durchgeführte manuelle Lymphdrainage an oder verordnet dem Patienten Stützstrümpfe. Der Physiotherapeut fördert mithilfe bestimmter manueller Griffe den Abfluss der im Gewebe gestauten Lymphe, die dann über die Nieren ausgeschieden wird.

Arztsuche

Die täglich zu tragenden Kompressionsstrümpfe liegen so fest an, dass die Venen leicht zusammengepresst werden. Das führt zur Verringerung der Ödeme und unterstützt den Rückfluss des im unteren Beinbereich versackten venösen Bluts zum Herzen. Die Funktionsfähigkeit der Venenklappen verbessert sich. Der Patient hat nicht mehr das Gefühl, an „schweren Beinen“ zu leiden. Personen mit stark geschädigten Venenklappen müssen ihre Kompressionsstrümpfe ihr ganzes Leben lang tragen, da das offene Bein sonst immer wieder auftritt.

Kompressionstherapie bei chronisch-venöser Insuffizienz

Operative und medikamentöse CVI-Behandlung

Bei Patienten mit starker Krampfader-Bildung kann eine operative Krampfader-Verödung oder die vollständige Entfernung der stark hervortretenden Blutgefäße im Rahmen einer Venenoperation hilfreich sein. Dadurch normalisiert sich der venöse Blutfluss ebenfalls.

Zur medikamentösen CVI-Behandlung setzt man blutgerinnungshemmende (ASS, Acetylsalicylsäure) sowie schmerzlindernde und entzündungshemmende Mittel wie beispielsweise Ibuprofen ein.

Wundverbände mit Rosskastanien-Extrakt-Salbe können ebenfalls zur Linderung der chronisch-venösen Insuffizienz beitragen. Nässende Stauungsekzeme behandelt man mit Kompressen mit Eichenrinden-Extrakt aus der Apotheke.

Leidet der Betroffene an schlecht heilenden Geschwüren, trägt man die geschädigte Hautpartie operativ ab (Shave-Verfahren) und vernäht die Wunde mit einem Stück Haut aus dem Oberschenkel des Patienten. Eingeschnürte Arterien und Beinmuskeln befreit man mithilfe der Faszien-(Bindegewebe)-Chirurgie von verhärteten Gewebezellen, sodass die betroffene Hautregion wieder besser durchblutet und mit den dringend benötigten Nährstoffen versorgt wird.

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Offene Beine lassen sich mit antiseptischen Wundsalben auf Jodbasis und Polyurethan-Wundverbänden gut behandeln. Sie müssen außerdem nicht täglich ausgewechselt werden. Zur Unterstützung der Veneninsuffizienz-Behandlung empfiehlt sich tägliche körperliche Bewegung und das nächtliche Hochlagern der Beine im Bett. Dazu reicht es schon aus, täglich 30 Minuten lang in bequemen Schuhen spazieren zu gehen. Das gilt sogar für CVI-Patienten mit offenen Beinen.

Kann man einer CVI vorbeugen?

Damit es gar nicht erst zu einer chronischen Veneninsuffizienz kommt, sollte man sich so oft wie möglich körperlich betätigen. Gut geeignet sind Schwimmen, Walking und Radfahren. Fußgymnastische Übungen kann man sogar im Stehen oder Sitzen ausführen. Außerdem empfiehlt es sich, vorhandenes Übergewicht zu reduzieren oder schon im Vorfeld zu vermeiden, indem man sich gesund und abwechslungsreich ernährt.