Lymphödem


Fast jeder Mensch hat schon einmal über geschwollene Füße oder Ähnliches geklagt. Hierbei handelt es sich um Flüssigkeitsansammlungen, die zum Beispiel nach großen Belastungen oder langem Sitzen und Stehen auftreten können. Allerdings kann es sich bei solchen Schwellungen auch um ein Lymphödem handeln. Die Flüssigkeit kann nicht mithilfe der Lymphbahnen abtransportiert werden. Es gibt Umstände, die die Entstehung eines solchen Ödems begünstigen können. Welche dies sind, woran man ein Lymphödem erkennt und wie eine Behandlung aussehen kann, beschreibt der folgende Text.

Was versteht man unter einem Lymphödem?

Bei einem Lymphödem handelt es sich um eine Flüssigkeitsansammlung im Zwischenzellraum (Interstitium). Diese ist nicht nur sichtbar, sondern auch tastbar. Normalerweise wird die Flüssigkeit über die Lymphbahnen abtransportiert. Wenn nun aber dieses System gestört ist, dann sammelt sich die Flüssigkeit an und der Patient klagt über sicht- und tastbare geschwollene Gliedmaßen. Bei einem Lymphödem handelt es sich allerdings nicht um eine Diagnose. Vielmehr ist es ein Symptom, das durch andere Umstände hervorgerufen wird.

Arztsuche

Nicht immer sind nur Gliedmaßen wie Füße, Beine, Arme oder Hände betroffen. Ein Lymphödem kann – wenn auch seltener – im Gesicht, am Hals oder sogar im Bereich der Genitalien auftreten.

Wie macht sich ein Lymphödem bemerkbar?

Man kann eine deutliche Wasseransammlung in den betroffenen Bereichen feststellen. Arme, Beine oder Füße sehen dick und aufgequollen aus. Zudem kann es als Begleiterscheinung zu krankhaften Hautveränderungen kommen. Ein Lymphödem kann aber auch ertastet werden. Im Anfangsstadium kann man eine Delle in die Haut drücken, die sich aber rasch wieder zurückbildet (siehe Abbildung unten). Im fortgeschrittenen Stadium ist dieses Ödem nicht mehr weich, sondern kann sehr hart werden, so dass eine Delle nicht mehr hervorgerufen werden kann. Schwellen Beine sehr stark an, spricht man von einer Elephantiasis. Schmerzen verursacht ein Lymphödem zunächst aber nicht, allerdings kann es aufgrund der Flüssigkeitsansammlung zu Bewegungseinschränkungen kommen.

 

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Von James Heilman, MDEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11787530

 

Um ein Lymphödem zu erkennen, gibt es auch mehrere Tests, etwa das Stemmersche Zeichen. Kann die Hautfalte – zum Beispiel an den Füßen – nicht mehr oder nur noch sehr schwer angehoben werden, spricht man von einem positiven Stemmerschen Zeichen. Auch ein kastenförmiges Aussehen der Zehen spricht für ein Lymphödem. Um eine Erkrankung der Venen auszuschließen und das Ödem zu erkennen, kann der Experte auch ein Ultraschall anwenden. Hier kann er Veränderungen des Hautgewebes – inklusive des Unterhautgewebes – erkennen.

Folgende Zeichen deuten auf ein Lymphödem hin:

  • geschwollene Gliedmaßen
  • krankhafte Veränderungen der Haut
  • Bewegungseinschränkungen durch die Schwellung
  • Hautfalten lassen sich nicht mehr oder nur noch schwer anheben
  • „kastenförmige“ Zehen

Wie kommt es zu einem Lymphödem?

Um die Ursachen festzustellen, muss man zwischen zwei Formen unterscheiden: Es gibt ein Primäres und ein Sekundäres Lymphödem. Von Primären Lymphödemen spricht man, wenn Entwicklungsstören vorliegen. Hierbei kann es auch zu Fehlbildungen kommen. Zu primären Kategorie gehört auch das Hereditäre Lymphödem, welches zu den angeborenen Varianten gehört.

Arztsuche

Ein Sekundäres Lymphödem kann durch Erkrankungen, Verletzungen oder durch operative Eingriffe hervorgerufen werden. So kann es bei Krebsbehandlungen zu diesem Beschwerdebild kommen. Ein gutes Beispiel ist die Therapie bei Brustkrebs, infolge derer es nötig werden kann, dass Lymphknoten in den Achseln entfernt werden müssen. Hierdurch kann das Lymphsystem gestört werden. Diabetes-Erkrankungen, rheumatische Veränderungen, Infektionen mit Pilzen oder Bakterien sowie radiologische Bestrahlungen können diese Symptome ebenfalls hervorrufen. Bösartige Veränderungen der Lymphknoten – zum Beispiel Morbus Hodgkin – können auch eine Ursache sein.

Oft treten Beschwerden auch erst in späteren Lebensjahren auf, teilweise Jahrzehnte nach der Pubertät oder während der Schwangerschaft. Nicht zuletzt aufgrund dieser Vielfältigkeit ist vor allem beim Sekundären Lymphödem genau abzuklären, wodurch dieses hervorgerufen wird.

Folgende Ursachen können einem Lymphödem zugrunde liegen:

  • Entwicklungsstörungen und Fehlbildungen (Primäres oder Hereditäres Lymphödem)
  • Folge von Verletzungen und Operationen
  • Infektionen mit Pilzen oder Bakterien
  • Entfernung der Lymphknoten, zum Beispiel bei Brustkrebsbehandlungen
  • bösartige Veränderung der Lymphknoten (Morbus Hodgkin)
  • Diabetes
  • rheumatische Veränderungen
  • Bestrahlungen

Wie sieht die Therapie bei einem Lymphödem aus?

Die Therapie zielt darauf ab, den Lymphstau zu beheben und einen Abfluss der Lymphe herbeizuführen. Die Therapie hängt auch vom Stadium des Ödems ab. So kann es im frühen Stadium ausreichen, das betroffene Körperteil hochzulagern, um so den Abfluss zu unterstützen. Spezielle Kompressionsstrümpfe und Stiefel können ebenfalls helfen. Was auf den ersten Blick banal erscheinen mag, dennoch helfen kann: Haut- und Fußpflege – zum Vorbeugen von Infektionen – sowie die Vermeidung von zu enger, einschnürender Kleidung.

Eine gute Physiotherapie zählt auch zu den wirksamen Behandlungsmethoden. Hier wird das der Abtransport der Flüssigkeit durch eine Lymphdrainage begünstigt. Der Therapeut wendet eine spezielle Massagetechnik an, durch die das Lymphsystem angeregt wird. Ein Experte auf diesem Gebiet ist notwendig, damit diese Behandlung auch den größtmöglichen Erfolg bringen kann.

Auch mithilfe eines chirurgischen Eingriffs kann man Lymphgefäße wiederherstellen. Allerdings handelt es sich hierbei um einen komplizierten Eingriff, der nur bei ausgeprägten Primären Lymphödemen zum Einsatz kommen sollte. Entwässernde Medikamente sollten übrigens nicht eingenommen werden. Sie können die Symptome im Extremfall noch verstärken und sollten nur bei anderen medizinischen Indikationen eingesetzt werden.

Kann man Lymphödemen vorbeugen?

Wer an einem Primären Lymphödem leidet, wird diesem nicht vorbeugen können. Bei der sekundären Form sollte man auf sein Gewicht achten, denn gerade nach Brustkrebserkrankungen steigt die Gefahr für Lymphödeme. Übergewicht kann diese noch einmal um bis zu 60 Prozent erhöhen. Zudem sollte Entfernung der Lymphknoten auf das Nötigste beschränkt werden, um das System weitestgehend zu erhalten.