Kompressionstherapie


Die Kompressionstherapie kommt bei einer phlebologischen Behandlung der unteren Extremitäten zum Einsatz. Die bei dieser Behandlungsmethode eingesetzten Kompressionsstrümpfe wirken sich beschleunigend auf die Blutzirkulation aus und fördern somit den Blutfluss. Die Behandlung mit Kompressionsstrümpfen zählt zur Basistherapie von venösen Leiden. Sie ist insbesondere in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung vonnöten, kann aber auch schon in der Frühphase Erfolge erzielen.

Anwendungsgebiete und Funktionsweise

Die Beinvenen sind dafür verantwortlich, dass das Blut aus den Extremitäten ins Herz zurückgeführt wird. Ihr Blutstrom verläuft nur in eine Richtung. Bei venösen Erkrankungen sind häufig die Gefäßwände in den Blutgefäßen der Beinvenen beschädigt. Der Blutfluss wird hierbei verlangsamt. Durch die verringerte Zirkulation können sich wiederum Blutpfropfen anlagern, die den Blutfluss weiter erschweren. Auf diese Weise kommt die Zirkulation allmählich fast zum Erliegen. In solchen Fällen können Thrombosen und Lungenembolien entstehen. Diese Krankheitsbilder können die Gesundheit der Betroffenen massiv bedrohen.

Arztsuche

Mithilfe der Kompressionstherapie werden die venösen Gefäße durch orthopädische Kompressionsstrümpfe verkleinert. Dies führt eine Steigerung des Blutflusses herbei und fördert den Rückstrom des venösen Blutes ins Herz. Der Anreicherung von geronnenem Blut wird durch die Beschleunigung der Blutzirkulation vorgebeugt. Außerdem trägt die Kompressionstherapie dazu bei, dass die Einlagerung von Blut im Zwischengewebe verhindert wird. Solche Ödeme könnten sonst die Gefäßwände in Mitleidenschaft ziehen und das Gewebe angreifen.

 

Kompressionstherapie mit Kompressionsstrümpfen

 

Darüber hinaus findet die Kompressionstherapie auch bei einem Ulcus cruris Anwendung. Diese offene Wunde entsteht im Bereich des Unterschenkels und lässt sich traditionell auf drei verschiedene Ursachen zurückführen.

Einerseits entsteht ein Ulcus cruris im Rahmen einer chronisch venösen Insuffizienz, einer Störung im Ablauf der venösen Blutzirkulation. Eine andere Ursache für offene, nicht heilende Wunden ist die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), umgangssprachlich auch „Raucherbein“ genannt. Mit dieser Bezeichnung erfasst man in der Medizin den allmählichen Verschluss der arteriellen Gefäße in den Beinen. Überdies entstehen offene Wunden oftmals bei Diabetikern. Dieses Phänomen ist als Diabetikerfuß bekannt. Nur im ersten Fall, einem Ulcus cruris durch Venenschwäche, darf Kompression angewandt werden.

Andere Anwendungsgebiete (v.a. nach chirurgischen Eingriffen und in der Reha) im Überblick:

  • nach einer Krampfaderoperation
  • nach einer Schaum-Sklerosierung
  • nach einer Besenreisersklerosierung
  • nach einer Venenentzündung

Ablauf der Kompressionstherapie

Nach einer eingehenden Untersuchung der vorliegenden Erkrankung verschreibt der Arzt Kompressionsstrümpfe oder -verbände. Diese werden dem Patienten zumeist noch vor Ort vorgeführt und erklärt. Eine falsche Fixierung der Kompressionsstrümpfe verfehlt nicht nur den gewünschten Effekt, sondern kann das medizinische Problem sogar noch verschlimmern. Deshalb ist eine sorgfältige Einweisung durch den Arzt sehr wichtig.

Arztsuche

In der Regel müssen Kompressionsstrümpfe mindestens 8 Stunden am Tag getragen werden. In der nächtlichen Ruhephase kann auf die Strümpfe verzichtet werden, wenn vom Arzt nicht anders angeordnet.

Anwendungsdauer der Kompressionstherapie

Die Tragedauer der Kompressionsstrümpfe orientiert sich an der Schwere der Erkrankung. Während die Strümpfe im Rahmen einer Besenreisersklerosierung nur eine Woche getragen werden müssen, erfordern andere Fälle eine längere Tragedauer. So ist es beispielsweise üblich, dass die Kompressionsstrümpfe nach einer Venenentzündung zwei Wochen, nach einer Krampfaderoperation sechs Wochen oder nach einer Thrombose sogar mindestens drei Monate getragen werden müssen.

Die Kompressionstherapie kann in gravierenden Fällen auch für das restliche Leben vonnöten sein. Thrombotische Zustände wiederholen sich oftmals nach einer Ersterkrankung. Wer thrombophil ist oder schon mal eine Thrombose erlitten hat, ist anfälliger für eine erneute Erkrankung. Deswegen werden Kompressionsstrümpfe häufig auch prophylaktisch in der Vorsorge eingesetzt.

Eine lebenslange Therapie ist vor allem bei Krankheitsbildern wie dem schweren postthrombotischen Symptom, einem Lymphödem oder einem Ulcus Cruris angeraten.

Die hier angegebenen Zeiträume dienen jedoch nur der Orientierung und können je nach Schwere der Krankheit variieren. Die genaue Tragedauer wird anhand des medizinischen Befundes vom behandelnden Arzt veranschlagt.


Dieser Text wurde überprüft von unserem Experten Dr. med. Jochen Peter.