Miniphlebektomie


Die Phlebektomie oder Miniphlebektomie stellt einen minimalinvasiven Behandlungsansatz zur zeitgemäßen Therapie von Krampfadern (Varizen) des oberflächlichen Venensystems dar. Durch das Venensystem erreicht Blut aus der Körperperipherie das menschliche Herz und wird im Herzlungenkreislauf wieder mit lebenswichtigem Sauerstoff versetzt. Das tiefe und oberflächliche Venensystem sind dabei über Gefäße miteinander verbunden. Oberflächliche Venen führen Blut aus dem oberflächlichen Haut- und Unterhautgewebe ins tiefe Venensystem ab. Beide Systeme können von Erkrankungen betroffen sein.

Die Erweiterung von oberflächlichen Venen oder ihren Seitenästen bezeichnet der Mediziner als Krampfadern oder Varizen. Diese zylindrischen Aussackungen der oberflächlichen Venen lassen die Blutgefäße Knäuele oder Schlängelungen bilden, die teils als bläuliche Verfärbung durch die Haut hindurch schimmern. Unbehandelt können Varizen fortschreiten und im Verlauf Ekzeme im Sinne von Juckflechten, thrombotische Blutgerinnsel, offene Stellen und Blutungen oder Entzündungen zur Folge haben.

Was ist eine minichirurgische Phlebektomie (Miniphlebektomie)?

Bei der Phlebektomie beseitigt ein Venenarzt oberflächliche Krampfadern mit Hilfe von Häkchen. Statt einer offenen Operation mit hohen Risiken entspricht die sogenannte Häkchenmethode einem minimalinvasiven Verfahren. Sie wird daher auch minichirurgische Phlebektomie oder Miniphlebektomie genannt.

Arztsuche

Über geringe Einschnitte in Form von Stichinzisionen mit maximal zwei Millimetern Länge dringt der Chirurg in die betroffenen Venen ein. Mithilfe von Häkchen-förmigen Instrumenten zieht der Operateur anschließend die Vene aus dem Körper heraus und entfernt die krankhaft veränderten Blutgefäße dauerhaft aus dem Gewebe. Die Miniphlebektomie entfernt speziell Seitenastvarizen im Sinne von krankhaften Erweiterungen an den Seitenästen von Stammvenen aus dem oberflächlichen Venensystem.

Das Operationsverfahren stammt von dem Schweizer Venenarzt Muller und heißt daher auch Phlebektomie nach Muller. Bei der Miniphlebektomie handelt es sich um ein etabliertes Verfahren zur Krampfaderbehandlung, das neben medizinischen Ansprüchen auch den ästhetischen Ansprüchen von Patienten gerecht wird. Aufgrund der ambulanten Durchführbarkeit und der fehlenden Erfordernis einer Vollnarkose belastet das Verfahren den Patientenorganismus kaum.

Wann kommt die Miniphlebektomie zum Einsatz?

Die Indikation zur Miniphlebektomie oder Phlebektomie nach Muller stellen Krampfadern und deren Unterformen, so zum Beispiel netzartig dünne Aussackungen in Form von Besenreisern, dar. Die minimalinvasive Operation eignet sich ausschließlich zur Therapie von Varizen des oberflächlichen Venensystems und kommt vor allem bei Patienten mit

  • Seitenastvarikosis im Sinne von hauptvenenstauungsbedingten Varizen venöser Seitenäste,
  • retikulärer Varikosis mit Phlebektasien in Form von diffus gleichmäßigen Weitstellungen der Venen im Unterhautfettgewebe und
  • Besenreiservarikosis im Sinne von rötlich-bläulichen Äderchen oder anderweitig ersten Anzeichen einer Venenerkrankung

zum Einsatz.

Arztsuche

Die Indikation zur Operation orientiert sich für Patienten mit primären Varikosen an den anatomisch und pathophysiologisch individuellen Gegebenheiten. Kontraindikationen wie schwere Allgemeinerkrankungen oder Blutgerinnsel der tiefen Venen (tiefe Venenthrombose) sind vor dem Eingriff dringend auszuschließen. Über die unzureichende Kommunikation zwischen oberflächlichem und tiefem Venensystem oder anderweitige Blutverlaufsstörungen muss zudem vor der Anwendung des Verfahrens ein klarer Nachweis erbracht werden. Am häufigsten findet die Operation zur Behandlung von Patienten mit

  • inkompletter Stammvarikose der Vena saphena magna oder parva
  • transfaszialer Varikose der Vena accessoria lateralis oder anderweitig großer Seitenäste
  • Perforansvarikose im Sinne von Beschädigungen an Verbindungen zwischen oberflächlichem und tiefem Venensystem

statt. Außerdem können auch Komplikationen wie eine Varizenblutung die Indikation zur Operation stellen. Für den Blutstromverlauf zu vernachlässigende Varizen stellen dagegen keine Indikation zur Phlebektomie oder Miniphlebektomie dar. Speziell bei Besenreiservarikosen erhält daher die Sklerosierungstherapie (Verödung) den Vorzug. Sekundär im Rahmen einer Thrombose entstandene Krampfadern stellen nur im Einzelfall eine Operationsindikation dar. Varizenkomplikationen wie die steigende Venenentzündung und die Gefahr einer funktionellen Leitvenenunzulänglichkeit können dagegen die Dringlichkeit für die Durchführung einer die minichirurgische Phlebektomie (Miniphlebektomie) erheblich erhöhen.

Vorbereitungen für eine Phlebektomie

Bevor eine minichirurgische Phlebektomie durchgeführt werden kann, erfolgt eine gründliche Anamnese. In diesem Patientengespräch erhält der Patient alle relevanten Informationen zum Operationsablauf und nennt dem Arzt im Gegenzug alle relevanten Erkrankungen und Daten zu seiner Person. Die Aufklärung über die Risiken der Operation ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Vorgesprächs.

Um die Entscheidung für eine Phlebektomie zu treffen, weist der Venenarzt Blutverlaufsstörungen im oberflächlichen Venensystem nach. Außerdem schließt er zugleich sämtliche Kontraindikationen zur Methode der Miniphlebektomie aus. Ab rund zwei Wochen vor dem operativen Eingriff verzichtet der Patient auf die Einnahme von Acetylsalicylsäure-haltigen Medikamenten, Schlafmitteln und Alkohol, um die Blutgerinnung nicht zu stören und Blutungen auszuschließen. Raucher schränken zudem den Nikotingenuss etwa vier Wochen vor dem Eingriff stark ein, um Wundheilungsstörungen zu vermeiden.

Auf Basis des Befundes und einzelner Bildgebungen markiert der Venenarzt nach einer gründlichen Rasur die zu entfernenden Krampfadern am stehenden Patienten. Kurz vor der Operation spritzt ein Anästhesist dem Patienten ein lokales Betäubungsmittel. Anschließend erfolgt die gründliche Desinfektion und sterile Abdeckung des geplanten Operationsgebiets.

Minichirurgische Phlebektomie – so verläuft die Operation

An den zuvor markierten Stellen nimmt der Operateur mit dem Skalpell kleine Schnitte im Sinne von Stichinzisionen vor. Die Einstiche messen höchstens zwei Millimeter und fungieren als Eingang für das mikrochirurgische Instrumentarium des Operateurs. Mit einem hakenförmigen Instrument oder einer chirurgischen Gefäßklemme (Moskito-Klemme) sucht der Arzt anschließend die zu entfernende Vene auf. Die chirurgischen Instrumentarien hierzu folgen entweder den Vorgaben von Varady oder Oesch. Sobald der Operateur die Varizen aufgefunden hat, zieht er sie aus dem Gewebe und entfernt sie aus dem Venensystem. Die entstandenen Wunden versorgt er entweder mit Hautkleber oder Pflasterverband. Insgesamt dauert die Operation rund eine Stunde.

Nachsorge einer Phlebektomie nach Muller

Der Patient trägt nach der Phlebektomie für rund zwei Wochen einen Druckverband (Kompressionsverband) oder einen Kompressionsstrumpf (Thrombosestrumpf), um Blutgerinnsel zu vermeiden und sich wie gewohnt frei bewegen zu können. Alle zwei bis vier Tage erfolgt ein Verbandswechsel. Gemäßigte Bewegung ist nach jeder Operation eine entscheidende Maßnahme, um Wundheilungsstörungen und Thrombosen zu vermeiden. Nach zwei Wochen erscheint der Patient zur Nachkontrolle bei seinem Venenarzt.

Vorteile, Komplikationen und Risiken der Miniphlebektomie

Minimalinvasive Operationen wie die Phlebektomie nach Muller bieten Patienten zahlreiche Vorteile. Hierzu gehören neben dem Verzicht auf eine Vollnarkose zugunsten einer risikoärmeren Lokalbetäubung vor allem die ambulante Durchführbarkeit, die geringe Ausfallzeit und die schnelle Heilung. Die Miniphlebektomie ist ein Standardverfahren und gilt grundsätzlich als risikoarme Behandlung. Nichtsdestotrotz können im Einzelfall Komplikationen auftreten. Dazu gehören:

  • Wundheilungsstörungen
  • Infektionen und Sepsis
  • Thrombose und lebensgefährliche Einschwemmungen des Blutgerinnsels (Embolie)
  • chronischer Lymphstau mit der Erfordernis eine operativen Lymphdrainage
  • lebensbedrohliche Komplikationen des Herzkreislaufsystems
  • bleibende Nervenschädigungen oder irreversible Gewebeschäden im Sinne von Lagerungsschäden
  • Herzkreislaufstillstand durch allergische Reaktionen auf das Betäubungsmittel

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Die Wahrscheinlichkeit für einen komplikationslosen Verlauf liegt für Verfahren wie die Miniphlebektomie wesentlich höher als die Wahrscheinlichkeit für ernstzunehmende Komplikationen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen der Operation zählen dabei neben den oben genannten Komplikationen kurz anhaltende Zustände wie

  • blaue Flecken
  • Schwellungen
  • Spannungs- oder Druckgefühl
  • Hautnervenverletzungen mit Taubheitsgefühl oder Schmerzsymptomatik
  • Hautausschlag, Niesen, Juckreiz, tränende Augen, Erbrechen oder Schwindel als Überreaktionen auf das Betäubungsmittel

Alle möglichen Risiken und Nebenwirkungen der Operation wiegt der Arzt im Vorfeld mit den Vorteilen und zu erwartenden Operationserfolgen ab. Nur wenn die Vorteile für den Patienten klar überwiegen, fällt die Entscheidung für die Phlebektomie nach Muller.